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Predigt an Rogate 2020 von Pfarrerin Anita Leonhardt

SpirituellerErsteHilfeKasten

Liebe Gemeinde,

heute ist ein ganz besonderer Gottesdienst – nach 10 Wochen feiern wir endlich wieder zusammen und zur Predigt habe ich Ihnen etwas mitgebracht!

(erste Hilfe Kasten hochheben und hochzeigen)

Einen Erste Hilfe Kasten – aber keine Angst: hier ist keine Maske drin, kein Desinfektionsmittel und auch kein Maßband zum Abstand abmessen 😉 das alles haben wir als Team schon für Sie vorbereitet.

Nein, es ist ein spiritueller Erste-Hilfe-Kasten für Corona-Zeiten!

Was wird wohl alles drinnen sein. Er ist schwer…

1.    O, hier ist die Bibel: das Wort Gottes. Mein Vater hat sie mir damals als Jugendliche geschenkt. In vielen Krisenzeiten hat sie mir schon geholfen, klein und handlich ist sie, da konnte ich sie in der Tasche gut mitnehmen. Das Wort Gottes hilft, bereichert einen in guten Zeiten und trägt in schweren Zeit!

Wie schön, dass man heutzutage Gottes Wort auf vielen Kanälen hören kann: im Radio, Fernseher, Internet, so kann man z.B. von unserem Landesbischof täglich kurze Andachten zu einem Bibelvers hören oder auf unsrer Homepage Impulse anhören und jeden Sonntag Segensposting von meinem Mann…

(Bibel hochheben) man kann auch beim Aufstehen, Mittags zum Glockenläuten oder Abends selber in das Buch der Bücher, in die Bibel wieder reinschauen und Gottes Wort lesen, sich davon inspirieren lassen.

Es ist und bleibt aktuell: so auch unser Predigttext von heute: Mir war gar nicht bewusst, dass der Evangelist Matthäus Corona kennt! Hören Sie selbst den ersten Teil unseres Predigttextes, der bei Matthäus im 6. Kapitel steht, die Verse 5 bis 8: „Jesus lehrte seine Jünger und sprach: Wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. 6 Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.

Soweit der erste Teil des Predigttextes.

„So geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu beim Beten“… als ich diesen Vers las zur Vorbereitung für unseren Gottesdienst, musste ich schmunzeln. So viele Wochen Ausgangsbeschränkung und 10 Wochen kein gemeinsamer Gottesdienst. Ja, wir waren alle zu Hause, sogar an Ostern. Menschen aus unserer Gemeinde haben mir erzählt, welch besondere Erfahrung sie auch mit Hausgottesdiensten in der Familie gemacht haben; Osternacht und Osterfeuer im eigenen Garten oder um den Esstisch herum mit den Kindern Gottesdienst gefeiert; und doch gab es immer auch die Sehnsucht nach unserer großen Gemeinschaft, gemeinsam zu beten, gemeinsam Gottes Wort zu hören, v.a. in der Krise den Zusammenhalt spüren zu können.

Hören wir weiter im Predigttext bei Matthäus 6, 7-15:

7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. 8 Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.

9 Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. 10 Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. 11 Unser tägliches Brot gib uns heute. 12 Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. 13 Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. 14 Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. 15 Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.“

In unserem Predigttext steckt so viel drinnen:

Das Vaterunser. Das Gebet, das Christen aller Konfessionen verbindet.

2. Jesus selbst lehrt uns, wie wir beten sollen – Gottes Sohn! Das ist etwas ganz Besonderes, vom ersten Wort an: Und das Gebet beginnt mit dem Wort auf aramäisch: ABBA! Vater! Oder wie Professor Jeremias sagt: „Papa!“ Ich würde sagen: „Papi!“

Und das ist laut Professor Schwankl der Schlüssel. (Schlüssel aus dem 1. Hilfekasten nehmen). Ein Schlüssel, um zu verstehen, was Jesus verkündet und was er tut. Ein Schlüssel, um zu verstehen, was unsere Kirchen ausmacht. Die liebevolle Verbindung zu Gott. Daher auch dieses Band an dem Schlüssel (zeigend). Wir sind mit Gott verbunden, ein Band, das trägt. Ein Band der Liebe! Wir dürfen den großen Gott „Papa“ „Papi“ nennen. Das berührt mich. Wenn ich Nino oder Flora im Haus „Mama“ sagen höre, dann horche ich auf und will unbedingt wissen, was sie mir sagen wollen oder wie ich ihnen helfen kann. Zu wissen, dass wenn wir beten, Gott, Papa dann auch ganz genau hinhört und wissen will, was wir, seine Kinder, ihm sagen wollen oder wie er uns helfen kann, freut mich. Es ist für mich auch ein Schlüssel jetzt in der Krise: beten! Mit Gott sprechen über all das Schöne, über all das Belastende, über alles, was man gerne nahestehenden Personen, mit denen man verbunden ist, erzählen will. Gott! Ihm dürfen wir alles sagen. Daran erinnert uns der heutige Sonntag, der Rogate heißt („Bittet!“) und das Beten zum Thema hat.

Wir dürfen zu dem allmächtigen Gott PAPI sagen - da bekomme ich Gänsehaut.

3. Jesus sagt nicht nur im Vaterunser „Abba“: sondern auch im Garten Gethsemane. Es wird bei Markus im 14. Kapitel im Vers 36 überliefert. Dort heißt es: Jesus sprach: Abba, Papa, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht was ich will, sondern was du willst (soll geschehen).

Daher halte ich das Kreuz. Jesus nimmt für uns das Kreuz auf sich, stirbt am Kreuz und wird am dritten Tage vom Tode auferweckt. Das Leben siegt. Wir feiern Ostern!

Das Kreuz ist ein Zeichen der Hoffnung und spendet auch Trost:

Auf der Rückseite des Kreuzes steht: „Du bist nicht allein, Gott ist dir nahe.“ Jesus hat alles Leid auf sich genommen für uns und wir dürfen wissen, egal wie groß unser Leid ist, egal wie beschwerlich die Entbehrungen und Auflagen sind: Gott ist da – für uns!

Jesus sagt im Garten Gethsemane: „Nicht mein Wille geschehe, sondern dein Wille geschehe.“ Wir beten im Vater unser auch: Dein Wille geschehe! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit.

Wenn ich nun das Radio anmache oder ins Internet schaue, höre ich sehr viel: ich will – ICH, MEIN, MICH – mein Wille geschehe…

Wenn WIR doch ZUSAMMEN schauen könnten, was GOTTES Wille ist!

4. Was hilft noch durch Coronazeiten gut zu kommen?

Eine Lupe: genau hinschauen! Auch in einem Alltag, in dem alles anders ist und nichts mehr selbstverständlich ist, kann ich Vieles entdecken, wofür ich Gott danken kann, wofür ich Gott preisen kann!

Den Ärger, die Sorge, die Unsicherheit, Angst usw. zur Seite schieben und Gott preisen, loben und danken! Hier und Jetzt!

Danke, Gott, dass Du da bist und dass wir heute gemeinsam Gottesdienst feiern können!

Der dankbare Blick und zeitgleich ist auch der Blick in die Weite wichtig; daher das Fernglas! Ich glaube, es ist wichtig, dass wir uns auch überlegen, wie wir aus der Krise wieder herauskommen wollen; was für eine Gemeinde, was für eine Stadt, was für ein Land und was für eine Welt wollen wir nach Corona sein?

Manche hoffen, dass wir gestärkt aus der Coronakrise herausgehen und menschlicher werden!

Dafür ist es wichtig, jetzt anzufangen und zu schauen (mit dem Fernglas in der Kirche die Menschen anschauen), wer meine Hilfe jetzt braucht. Angefangen beim Lächeln mit den Augen, dem Dank an die Vielen in den systemrelevanten Berufen, ein Mittagessen to go bei einem Restaurant bestellt…

Wen kann ich unterstützen hier vor Ort oder in der Ferne…Danke unserem Helferkreis, unserem Eine Welt Laden-Team und vielen Anderen, die hier so engagiert sind!

5. Der spirituelle Erste Hilfe Kasten ist schwer, obwohl nur noch zwei Dingen drinnen sind. Schauen Sie: ein Stein. Nun in der Coronakrise ist alles anders; manche haben sehr, sehr viel zu tun, andere haben mehr Zeit und wieder andere vielleicht viel Zeit… da können Gedanken hochkommen, für die sonst keine Zeit war, wenn man von einem Termin zum anderen hetzen musste; Gedanken, die vielleicht schwer auf einem lasten; vor paar Tagen erzählten Menschen im Radio, dass sie zurzeit Albträume in der Nacht haben, auch von Menschen, mit denen sie seit Jahrzehnten nichts mehr zu tun hatten… Coronakrise. Krise: crisis ist griechisch und heißt auch Entscheidung. Die Coronakrise kann auch eine Chance sein, zu schauen, ob es etwas gibt, was ich vielleicht mit mir rumgeschleppt habe; den Stein, egal wie groß oder klein, mal wahrnehmen, genau anschauen, annehmen, dass es ihn gibt und dann überlegen, sich entscheiden, was ich damit mache.

Im Vaterunser sprechen wir: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ Und unser Predigttext schließt mit den Versen: „Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.“ Vergeben, Verzeihen, sich aussöhnen … vielleicht mit einer Person aus der Vergangenheit, oder vielleicht auch mit der aktuellen Situation, die so bedrückend ist.

Den Stein erstmal wahrnehmen und dann entscheiden, was ich damit mache:

(Stein umdrehen: bemalte Rückseite zeigen) Manche Kinder malen nun Steine an und legen sie an bestimmte Orte. Vielleicht wollen auch Sie einen Stein anmalen, mit Gott drüber sprechen, was sie belastet und wer will kann auch unter der Woche den Stein gerne hier vor den Altar ablegen. Sorgen und Steine bei Gott entsorgen. Er hört uns zu. Er ist da für uns.

6. Und schließlich gibt es im spirituellen Erste Hilfe Kasten für Coronazeiten …? Ich konnte es einfach nicht lassen: Eine Packung Süßes aus dem Eine Welt Laden: Bio Mango Monkeys 😊

Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass man sich überlegt, was einem gut tut und sich nun auch was gönnt: sei es etwas Süßes oder eine Tasse leckerer Tee am Abend; sei es gesunde Ernährung, Joggen gehen, ein gutes Buch, ein Krimi im Fernsehen oder ich persönlich drehe zur Zeit gerne den Radio ganz laut und tanze dazu (auf der Kanzel tanzen).

Was sind Ihre Kraftquellen im Alltag?

Die Packung Süßes ist auch aus einem ganz bestimmten Grund im spirituellen Erste Hilfe Kasten, denn davon handelt ein wunderbares Gedicht aus Brasilien von Mario de Andrade; er starb 1945 und war ein Mitbegründer der Moderne in Brasilien. Er war Schriftsteller und Musiker. Sein Gedicht hat mir eine liebe Person vor ein paar Tagen geschickt, auch darin geht es um Kraftquellen. Mario de Andrade bemerkt, dass er wohl schon mehr Jahre gelebt hat, als er noch vor sich hat und ihm fällt dazu das Bild einer Packung Süßigkeiten ein: die ersten isst man so dahin, und ups, plötzlich fällt einem auf, da ist ja gar nicht mehr so viel drinnen; die letzten will ich genießen und für ihn bedeutet das: im Leben all das runterfahren, was ihm nicht so wichtig ist, eine lange Liste zählt er da auf und dann betont er, was ihm wichtig ist, auf was er den Focus legen will; das möchte ich gerne mit Ihnen teilen:

Das Gedicht hat zudem ein ganz passenden bzw. unpassenden Corona-Titel:

*Meine Seele hat es eilig.* von Mario de Andrade

„Ich habe meine Jahre gezählt und festgestellt, dass ich weniger Zeit habe, zu leben, als ich bisher gelebt habe.
Ich fühle mich wie dieses Kind, das eine Packung Süßes gewonnen hat: die ersten Süßigkeiten davon isst es mit Vergnügen, aber als es merkt, dass nur noch wenige übrig waren, begann es, sie wirklich zu genießen.


Ich habe keine Zeit für…[da zählt er eine lange Liste auf] [und dann geht es weiter]

Ich möchte mit Menschen leben, die sehr menschlich sind.
Menschen, die über ihre Fehler lachen können, die sich nichts auf ihre Erfolge einbilden. 
Die die menschliche Würde verteidigen und die nur an der Seite der Wahrheit und Ehrlichkeit gehen möchten.
Es ist das, was das Leben lebenswert macht.
Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die es verstehen, die Herzen anderer zu berühren.
Menschen, die durch die harten Schläge des Lebens lernten, dass die Seele durch sanfte Berührungen wächst.

Ja, ich habe es eilig, ich habe es eilig, mit der Intensität zu leben, die nur die Reife geben kann.
Ich versuche, keine der Süßigkeiten, die mir noch bleiben, zu verschwenden.
Ich bin mir sicher, dass sie köstlicher sein werden, als die, die ich bereits gegessen habe.
Mein Ziel ist es, das Ende zufrieden zu erreichen, in Frieden mit mir, meinen Lieben und meinem Gewissen.
Wir haben zwei Leben und das zweite beginnt, wenn du erkennst, dass du nur eins hast.“

Wir haben zwei Leben und das zweite beginnt, wenn du erkennst, dass du nur ein Leben hast.

Ja, Gott hat uns ein wunderbares Leben gegeben. Jeden einzelnen hat Gott wunderbar gemacht, wie es in der Bibel steht. Unser Leben ist kostbar, kurz und wertvoll!  Lasst es uns schützen. Das Leben der Anderen und das eigene Leben und zeitgleich dürfen wir immer wissen: unser aller Leben liegt in Gottes Hand. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

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